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1. Österreichischer Wasserstofftag

Christoph Juricek & Emil Nigmatullin | 29.10.2021

akitada 31 on pixabay

Im Juli 2020 hat die EU eine Wasserstoffstrategie für ein klimaneutrales Europa, im Einklang mit dem europäischen „Green Deal“, an alle Mitgliedstaaten kommuniziert. Auch auf nationaler Ebene gibt es rund um den Globus bereits 20 vergleichbare Bekenntnisse zum Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft. Es überrascht demnach nicht, dass das Thema Wasserstoff gerade in aller Munde ist, wie auch die Zweiten Energierechtlichen Gespräche, bei denen unsere Praxisgruppe mit einem Vortrag vertreten war, bewiesen haben. Auch Österreich arbeitet an einer nationalen Wasserstoffstrategie.

Der „1. Österreichische Wasserstofftag“ hat Stakeholdern die Möglichkeit gegeben, sich auf den unterschiedlichsten fachlichen Ebenen auszutauschen und gemeinsam eine umfassende Momentaufnahme zu schaffen. Das Veranstaltungsprogramm spannte demnach einen breiten Bogen: Im Zentrum standen politische Vorhaben, wirtschaftliche Chancen und rechtliche Hürden einer nationalen und internationalen Wasserstoffwirtschaft.

Wasserstoff aus wirtschaftlicher und politischer Sicht

Im ersten Vortragsblock „Politik vs. Wirtschaft – Der Fahrplan“ präsentierten die relevanten politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Wasserstoffwirtschaft. Inwiefern grüner (d.h. aus Ökostrom gewonnener) Wasserstoff hinkünftig wirtschaftlich rentabel sein wird, war ebenso Thema, wie die (noch ausständige) österreichische sowie deutsche Wasserstoffstrategie. Der Grundtenor war klar: Das technische und wirtschaftliche Potenzial des grünen H2 ist in bestimmten Sektoren auf lange Sicht enorm und soll dementsprechend von Seiten der Politik gefördert werden. Er soll gerade in den Wirtschaftsbereichen zur Anwendung kommen, in denen eine Elektrifizierung aufgrund technischer Hürden unzweckmäßig und unrentabel wäre. Allerdings ist der sofortige Umstieg auf grünen Wasserstoff – auch aufgrund dessen aktuell vergleichsweise hohen Marktpreises – nicht möglich, weshalb in der Übergangszeit auch andere Wasserstoffarten (blauer und grauer Wasserstoff) zum Einsatz kommen werden.

Erzeugung, Transport und Speicherung

Im anschließenden Block wurden ausgewählte umweltrechtliche und regulatorische Schlaglichter, die sich im Hinblick auf die Erzeugung, Transport und Speicherung von (grünem) Wasserstoff ergeben, aufgezeigt. Im Zentrum standen die anlagenrechtlichen Implikationen von Wasserstoffproduktions- und -speicherstätten sowie die Rolle der Gasnetzbetreiber – Stichwort: Blending – im aktuellen europäischen und nationalen Regulierungsrahmen. Daneben wurde die Schaffung eines eigenen Wasserstoffnetzes und dessen Finanzierungsmöglichkeiten – etwa im Rahmen der Gasnetzentgelte – diskutiert. Schließlich wurde das im EAG-Paket festgeschriebene Förderungsregime beleuchtet. Die Redner waren sich einig: Der europäische und österreichische Rechtsrahmen hat bereits Wurzeln geschlagen. Mit Spannung dürfen die für Dezember 2021 von der Kommission angekündigten und bereits im Vorfeld vieldiskutierten Vorschläge zu einer EU-Wasserstoff- sowie GasVO erwartet werden.

Bereits umgesetzte Projekte

Dass trotz allfälliger regulatorischer Schwierigkeiten eine erfolgreiche Umsetzung von Wasserstoffprojekten in verschiedenen Sektoren bereits heute möglich ist, bewiesen die im dritten und letzten Teil vorgestellten nationalen wie internationalen Leuchtturmprojekte. Neben Tiroler Projekten (MPREIS-Projekt zum Einsatz von grünem Wasserstoff in Nutzfahrzeugflotten; TIWAG-Projekt zum „Power2X-Kufstein – innovative Sektorkopplungsanlage mit Wasserstoffzentrum“) wurden etwa Wasserstoffprojekte in der Schwerindustrie (GET H2 von Siemens Energy; H2FUTURE von VERBUND, voestalpine und Siemens Energy) und als Zukunftskraftwerk präsentiert. Diese Vielschichtigkeit bewies umso mehr, dass Wasserstoffprojekte entlang der gesamten Wertschöpfungskette wirtschaftlich und technisch möglich sind.

Fazit

Der 1. Österreichische Wasserstofftag hat bewiesen, dass es zu diesem Thema viel zu sagen gibt. Den veranstaltenden Organisationen und den Referent*innen ist eine hervorragende Veranstaltung gelungen. Wir freuen uns auf viele weitere Veranstaltungen zum Thema Wasserstoff.

Emil Nigmatullin

Mag. Emil Nigmatullin ist Universitätsassistent bei Univ.-Prof. MMag. Dr. Schulev-Steindl in Graz und dissertiert zum Klimaschutzrecht.

Portrait Mann anonym | Haslinger / Nagele, Illustration: Karlheinz Wasserbacher

Christoph Juricek

Mag. Christoph Juricek ist seit Oktober 2021 als Rechtsanwaltsanwärter bei Haslinger / Nagele tätig. Seine Tätigkeitsschwerpunkte liegen im Kartell-, Vergabe- und Energierecht.